Für Finanzminister Schäuble ist der umtrittene Ankauf der illegalen Steuersünder-CD bereits beschlossene Sache - trotz heftiger Kritik. Den Steuerflüchtigen gibt der CDU-Politiker nun einen guten Rat auf den Weg: eine Selbstanzeige beim Finanzamt.
Im Zusammenhang mit dem von der Bundesregierung beabsichtigten Kauf einer CD mit gestohlenen Schweizer Bankdaten sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble der "Augsburger Allgemeinen": "Ich kann nur jedem, der meint, dass er in der Vergangenheit Steuern hinterzogen haben könnte, den Rat geben, das Angebot in unserer Abgabenordnung zur Selbstanzeige zu nutzen."
Österreich, Belgien und die Niederlande sollen Interesse an der brisanten Datensammlung haben. Österreich hofft, mit der den deutschen Behörden angebotenen CD Sünder im eigenen Land zu enttarnen. Sollten auf der CD entsprechende Hinweise sein, habe Wien großes Interesse an einer Auswertung, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums der Zeitung "Der Standard". Ankauf und Auswertung wären in Österreich legal. Die belgische Regierung will nach Angaben der Zeitung "De Standaard" ähnlich verfahren. Auch in den Niederlanden werde von den Behörden die Steueraffäre aufmerksam verfolgt, hieß es.
Ein Informant hat der Bundesregierung eine Datensammlung von bis zu 1.500 Deutschen angeboten und verlangt dafür 2,5 Millionen Euro. Die Behörden wollen jetzt zügig das Geschäft abschließen. Letzte rechtliche Fragen werden von den nordrhein-westfälischen Finanzbehörden zusammen mit dem Bund geprüft.
Schäuble verteidigte den umstrittenen Ankauf der offensichtlich illegal beschafften Daten. Er verwies darauf, dass in den fast 200 Prozessen nach der Liechtenstein-Affäre kein einziges Gericht die damals gekauften Kontodaten als Beweismittel verworfen habe. Ähnliche Geschäfte gehörten in anderen Bereichen zum Alltag der Strafverfolgungsbehörden. Auch das Bundesverfassungsgericht habe in vielen Fällen derartiges Vorgehen gebilligt.
Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Karl Heinz Däke, verurteilte den geplanten Ankauf. "Wenn der Staat die Daten kauft, schließt er einen Pakt mit einem Straftäter", warnte er in der "Passauer Neuen Presse". Im Fall Liechtenstein seien die Dinge anders gelegen. Da habe der Bundesnachrichtendienst gekauft. Im aktuellen Fall gehe es darum, dass ein Straftäter der Bundesrepublik direkt die Daten anbiete. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, Thomas Eigenthaler, sprach sich hingegen für den Ankauf aus. "Die Dinge sind verhältnismäßig und stehen im Lot", sagte er im TV-Sender Phoenix.
Der Unions-Mittelstandsvorsitzende Josef Schlarmann warnte in n- tv, der Ankauf CD würde den Rechtsstaat gefährden. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Joachim Poß griff in dem Sender die Schweiz scharf an. "Die Schweiz bunkert seit Jahrzehnten Diebesgut. Dass ist doch unstreitig", sagte er. Poß fordert zudem ein härteres Vorgehen gegen Steuersünder. "Bei einigen ist ja wohl der Steuerspartrieb stärker ausgebildet als der Sexualtrieb", sagte er.
Vor vier Jahren brachte ein Mann die wohl größte deutsche Steueraffäre ins Rollen. Der Informant aus Liechtenstein bot dem Bundesnachrichtendienst (BND) brisante Bankdaten aus dem Fürstentum zum Kauf an. Mit besonders niedrigen Steuern und einem gut gehüteten Bankgeheimnis hat der diskrete Finanzplatz Liechtenstein Milliardensummen von wohlhabenden Deutschen angelockt.
Am 24. Januar 2006 gab es die ersten Informationen von einem ehemaligen LGT-Mitarbeiter. Für brisante Kontodaten erhielt er im August 4,2 Millionen Euro. Um sich juristisch abzusichern, ließ sich der BND von den Steuerfahndern förmlich um Amtshilfe bitten. Im Juni 2007 übergab der Informant gestohlene DVDs mit brisantem Inhalt zu mehr als 1.400 deutschen Kunden - darunter auch prominente Namen.
Am 14. Februar 2008 ließ die Bochumer Staatsanwaltschaft die Villa und das Büro des später zurückgetretenen Post-Chefs Klaus Zumwinkel durchsuchen. Die weiteren etwa 200 Razzien verliefen diskreter. Insgesamt wurden Steuerermittlungen gegen rund 770 wohlhabende Deutsche bekannt. Innerhalb weniger Monate konnten rund 110 Millionen Euro von Verdächtigen wieder eingetrieben werden. Zahlreiche Steuersünder versuchten, mit Selbstanzeigen und Überweisungen der hinterzogenen Summen einen Prozess zu verhindern.