Heiraten und finanziell ausbeuten - die Masche von Heiratsschwindlern. Für Außenstehende ist schwer nachzuvollziehen, wie immer wieder Frauen hereinfallen können. ZDF.online befragte eine Psychotherapeutin zu den subtilen Mechanismen von Heiratsschwindlern.
ZDFonline: Immer wieder treten Fälle von Heiratsschwindlern auf und geraten in die Öffentlichkeit. Warum fallen trotzdem Frauen auf Heiratsschwindler herein?
Dr. Bärbel Wardetzki: Heiratsschwindler verstehen es, Frauen zu verführen. Sie haben meist ein hohes Einfühlungsvermögen und erkennen gut die Bedürfnisse der Gegenseite. Schmeicheleien, Blumen, Komplimente und sogar Beziehungsangebote wirken vor allem bei den Frauen, die sich einsam oder verlassen fühlen. Für Liebe bezahlen sie oft einen hohen Preis.
ZDFonline: Was für ein Typ Frau fällt auf Heiratsschwindler herein?
Wardetzki: Im Grunde kann es jeder Frau passieren, wie wir es in der jüngsten Vergangenheit gesehen haben. Auch Frauen, die mitten im Leben stehen. Ich denke, es sind die emotionale Bedürftigkeit und ein ausgeprägtes Helfersyndrom, was Frauen anfällig für Heiratsschwindler macht.
ZDFonline: Was für ein Typ Mensch sind Heiratsschwindler? Und welche Fähigkeiten haben Sie?
Wardetzki: Meist sind es anziehende Männer, die perfekt lügen können und sich und der Welt etwas vormachen. Sie glauben ihre Geschichten oft selbst und reagieren bei Aufdeckung der Lügen mit Empörung und Ablehnung. Sie geben sich meist geistreich, eloquent, gebildet, aufgeschlossen, einfühlsam und zugewandt. In der Regel haben sie perfekte Umgangsformen.
ZDFonline: Und welche Tricks/Maschen haben Sie?
Wardetzki: Genau zu erkennen, was die Frau will und das erfüllen. Seien es Geschenke, Versprechungen eines herrlichen Lebens oder Großzügigkeit.
ZDFonline: Woran kann man einen Heiratsschwindler erkennen?
Wardetzki: Heiratsschwindler sind schwer zu erkennen, denn keinem steht es auf der Stirn geschrieben. Vorsichtig sollte man sein, wenn jemand recht schnell um Geld bittet, auch wenn die Geschichte noch so herzzerreißend ist. Auffällig ist auch, wenn jemand kaum über seine Vergangenheit spricht, keine Fotos von früher zeigt oder Ungereimtheiten in seinen Erzählungen auftreten.
ZDFonline: Was raten Sie Frauen um sich vor Heiratsschwindlern zu schützen?
Wardetzki: Kein Geld und keine Scheckkarte zu verleihen und Informationen über das Vorkommnis einholen, für das das Geld angeblich gebraucht wird. Gibt es keine festen Fakten, keine Beweise, dann sollten sie vorsichtig sein. Es ist auch wichtig, auftretende Zweifel und Verdachtsmomente ernst zu nehmen, und unstimmige Gefühle nicht zu beschönigen oder runter zu spielen.