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10. Februar 2012
 

ZDF.reportage

 
sonntags, 18.00 Uhr
Schulklasse und Lehrer. Quelle: dpa
Älterer Lehrer, viele Schüler

ZDF.reporter

Deutschland gehen die Lehrer aus

Große Pensionierungswellen und kein Nachwuchs

von Janina Fortmann

Der derzeitige Lehrermangel kommt nicht wirklich überraschend, da sind sich fast alle Wissenschaftler einig. Denn gerade im staatlichen Schulbetrieb sind relativ präzise Prognosen möglich: Man weiß, wie alt die beschäftigten Lehrer sind, wann sie voraussichtlich in den Ruhestand gehen, welche Fächer sie unterrichten und wie viele Lehrer in den kommenden Jahren für welche Fächer gebraucht werden.

 
 
 
 

In den vergangenen vier Jahren wurden weniger Lehrer eingestellt als eigentlich benötigt wurden, da die Länder nicht nach Bedarf, sondern nach Haushaltslage eingestellt haben. So sind die Lehrer geschlossen gealtert und zu wenig Nachwuchslehrer nachgekommen. Jeder zweite Lehrer in Deutschland ist heute über 50 Jahre alt, was zu einer großen Pensionierungswelle in den kommenden Jahren führen wird, so Professor Klaus Klemm, Bildungsforscher der Universität Duisburg-Essen.

 

Momentan sind laut Klemm an Deutschlands Schulen knapp 789.000 Lehrer beschäftigt. Um diesen Stand zu halten, müssten in den kommenden Jahren jährlich 38.000 neue Lehrer eingestellt werden. Nachwuchs ist jedoch Mangelware: Jährlich würden 14.000 Lehrer zu wenig ausgebildet. So wird sich die Schere zwischen Angebot und Nachfrage in den nächsten Jahren weiter drastisch vergrößern, befürchtet Klemm: "Wir werden immer weniger auf einen Ist-Bestand zurückgreifen können. Der ist irgendwann einmal weg. Dann wird der Lehrermangel richtig scharf werden."

Zu spät reagiert

Für Professor Klemm und die große Mehrheit der Bildungsforscher ist klar: Man hätte dem Problem mit einer langfristigen Planung früher entgegenwirken können. Professor Klemm macht der Kultusministerkonferenz den Vorwurf einer mangelnden Informationspolitik. Denn seit vielen Jahren sei bekannt, dass sich Studienanfänger bei Ihrer Studienwahl an der aktuellen Arbeitsmarktlage und den Informationen, die ihnen über die Medien vermittelt werden, orientierten. "Wenn Lehrer aktuell nicht eingestellt werden, denken sich die Abiturienten 'Ich gehe doch nicht in einen Studiengang hinein, wo ich einen Beruf erlerne, der nicht gefragt ist'", so Professor Klemm.

 

Man könnte dieses Problem verringern, wenn die Politik regelmäßig Informationen zur Arbeitsmarktlage von Lehrern und den voraussichtlichen Berufsaussichten nach dem Studium veröffentlichen würde. Die letzte bundesweite Lehrerbedarfsprognose stammt aus dem Jahr 2003, die nächste ist für 2010 geplant. Für Klemm ein nicht tragbarer Zustand: "Dass die sieben Jahre brauchen, um von Prognose eins auf Prognose zwei zu kommen, ist angesichts der Dynamik auf diesem Arbeitsmarkt ein Skandal."

 

Lehrer fehlen - aber nicht überall

Trotz der klaren Fehler in der Vergangenheit dürfe man die Besonderheiten des Lehrerberufs nicht außer Acht lassen, meint Klaus-Jürgen Tillmann, Professor für Pädagogik und Didaktik an der Universität Bielefeld: "Lehrer ist nicht gleich Lehrer, und den einen Lehrerarbeitsmarkt gibt es nicht." Wenn man zum Beispiel auf Lehramt studiert habe, um an einem Gymnasium mit den Fächern Deutsch und Geschichte zu unterrichten, habe man nicht besonders gute Aussichten auf einen Job. Hier gebe es genug Bewerber, wenn nicht sogar ein Überangebot.

 

Genauso sähe es im Grundschulbereich aus. Es fehlten jedoch Lehrer in den naturwissenschaftlichen Fächern und in Fremdsprachen. Außerdem herrsche ein Mangel an Berufsschullehrern und an Lehrern für die Sekundärstufe 1 an Haupt- und Realschulen. Vor Beginn eines Studiums solle man sich daher genau über die Berufsaussichten für Lehrer in den einzelnen Fächern und Schultypen informieren. Auch hier würde eine kontinuierliche Informationspolitik helfen.

 

Infobox

Pauker dringend gesucht!

Eine Reportage von Barbara Völkel
Sendedatum: Donnerstag, 3. Dezember 2009, 21 Uhr, bei ZDF.reporter

 
 
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