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11. Februar 2012
 

ZDF.reportage

 
sonntags, 18.00 Uhr
Frühlingswetter am brandenburgischen Bötzsee. Quelle: dpa

ZDF.reportage vom 5.9.2010

Streit am Strand

Wem gehören Brandenburgs Seen?

Was dem Bayern die Berge, ist dem Brandenburger der See! Doch die Schönheit der Landschaft entdecken immer häufiger Immobilieninvestoren oder wohlhabende Privatpersonen. Und wer viel Geld für sein exklusives Seegrundstück bezahlt hat, möchte seinen Privatstrand in der Regel nicht öffentlilch teilen. In vielen Gemeinden tobt ein Streit, ob trotz Privateigentums der Öffentlichkeit das Durchgangsrecht zum See eingeräumt werden sollte.

 
 
 
 

"Das ist ja wie vor dem Mauerfall!", ruft Anette Horvath empört, als sie an den Zaun kommt, der ihren Radweg versperrt. Hinter dem Stacheldraht geht der Weg weiter, folgt dem Ufer des Groß Glienicker Sees. Doch Anette Horvath und ihre sechsjährige Tochter müssen umkehren, sind zu einem Umweg über die Hauptverkehrsstraße gezwungen.

Durch den Groß Glienicker See verlief früher die deutsch-deutsche Grenze, am Ufer patrouillierten DDR-Grenzer. Nach dem Mauerfall öffnete sich dieser Weg zum friedlichen Spaziergang. Nun, 20 Jahre nach der Wende, stehen wieder Zäune und Barrieren. Anette Horvath ist sauer, und nicht nur sie. In Brandenburg tobt ein erbitterter Streit um die herrlichen Seen des Landes.

 

Steigende Grundstückspreise

Brandenburg ist zwar reich an Seen, doch die Gewässer gehören in der Regel dem Bund oder Privateigentümern. Durch die Nähe zur Hauptstadt steigen die Grundstücke in See- und Ufernähe ständig im Wert, was sich zu einem Nachteil für die Allgemeinheit entwickelt. Denn die Kommunen können sich den Kauf "ihrer" Seen und "ihrer" Ufer oft nicht leisten. Leisten können es sich aber oft reiche "Wessis", und die blockieren dann häufig die Spaziergänger.

Gesperrter Uferweg am Glienicker See. Quelle: ZDF
ZDF
Gesperrter Uferweg am Glienicker See

Manche Anwohner sperren inzwischen ihre Grundstücke komplett, manche nur teilweise. Die Unsicherheit über die Zukunft des Weges führt in diesem Sommer zu einem regelrechten Uferkrieg am Groß Glienicker See mit Montagsdemonstrationen, Polizeiaufgebot, Rathauseingaben und Fahrradmanifestationen. Und am Rande planschen stets Kinder im klaren See unter der brennenden Sonne.

 

Am Wandlitzsee ist die Schlacht bereits geschlagen: Der See ist an einen Düsseldorfer Investor verkauft. Der will vor allem Rendite. In einem ersten Schritt verlangt er Geld von der Gemeinde für das altehrwürdige Strandbad, in einem zweiten verlangt er vom Segelclub, umzuziehen oder mehr Pacht zu zahlen.

 

Wirtschaftsfaktor See

Am Mellensee soll es so weit nicht kommen, wenn es nach der örtlichen Bürgerinitiative geht. Ruth Wieden und ihre Freunde renovieren eigenhändig das alte Strandbad, obwohl gar nicht klar ist, wem es bald gehören wird. Der Mellensee steht zur Versteigerung an, und die Gemeinde hat kein Geld, um mitzubieten.

 

Wirtschaftsfaktor See - auch die Existenz des Fischers Jochen Gebauer hängt am freien Zugang zum Wasser. Den Verkauf der Seen sieht er natürlich kritisch: "Die Bayern verkaufen ja ihre Berge auch nicht", grummelt er. Für viele Brandenburger geht es um mehr als ungehinderte Wander- und Badefreuden. Die Seen gelten vielen als eine Art Volkseigentum, der Zugang zu ihnen als ein Stück erkämpfte Freiheit.

 

Infobox

ZDF.reportage: Streit am Strand

Reporterin: Britta Hilpert, Antje Klingbeil
Kamera: Hannes Zeh
Sendetermin: 5.9.2010 - 18.30 Uhr

 
 
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