Deutschland hat einen Rekord aufgestellt im vergangenen Jahr: 32 Milliarden Euro haben die Krankenkassen für Medikamente ausgegeben. So viel wie nie zuvor. Kosten, die letztlich die Solidargemeinschaft der Krankenversicherten aufbringen muss - durch immer weiter steigende Versicherungsbeiträge.
Der Arzneimittelmarkt in Deutschland wird ständig größer. Jedes Jahr kommen etwa 30 neue Wirkstoffe hinzu. Ist ein neuer Wirkstoff zugelassen, darf er in Form von neuen Medikamenten auf den Markt gebracht werden. Diese neuen Wirkstoffe sind oft das Ergebnis jahrelanger Forschungen.
Die Pharmafirma, die ihn entwickelt hat, lässt sich den Wirkstoff daher patentieren. Damit hat sie dann für zirka zehn Jahre das Recht, den Wirkstoff, beziehungsweise ein Medikament, das diesen beinhaltet, zu vertreiben. Nach Ablauf des Patents dürfen auch andere Firmen diesen Wirkstoff als sogenannte Generika auf den Markt bringen, die dann viel billiger sind. Über die Preise für Generika gibt es Rabattverhandlungen zwischen Hersteller und Krankenkasse.
Wird ein neuer Wirkstoff zugelassen, dürfen die Pharmafirmen den Preis dafür selbst festlegen. Die Kassen müssen den verlangten Preis bezahlen - egal, wie hoch er ist. Das treibt die Gesamtausgaben für Medikamente enorm in die Höhe. Kritiker bemängeln: Nur die Hälfte der neu zugelassenen Wirkstoffe hätten einen Zusatznutzen für die Patienten.
Wird die Zulassung eines neuen Wirkstoffs beantragt, wird die Wirksamkeit des Präparats überprüft - nicht aber, ob es nicht schon andere Medikamente auf dem Markt gibt, die den gleichen Nutzen haben und die wegen des schon abgelaufenen Patentschutzes günstiger sind. Viele Experten fordern, dass genau das in Zukunft überprüft werden solle. Gäbe es keinen Zusatznutzen, solle der Wirkstoff auch nicht zugelassen werden. Milliarden könnten dadurch eingespart werden.
Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will den ständig steigenden Kosten jetzt einen Riegel vorschieben: Schon ab August 2010 sollen die Preise für patentgeschützte Medikamente auf dem Niveau vom August 2009 eingefroren werden.
Ab 2011 sollen die Pharmaunternehmen für neue Medikamente dann eine Nutzenanalyse vorlegen. Der Entwurf sieht vor: Übersteigt der Nutzen der neuen Arzneimittel nicht den von altbewährten Medikamenten, erstatten die Kassen nur die üblichen Beträge. Ist das Mittel wirklich innovativ, soll der Herstellerpreis nur so lange von den Kassen voll übernommen werden, bis sie mit den Pharmafirmen Rabatte ausgehandelt haben. Mit diesem Gesetzespaket sollen jährlich mindestens 1,5 Milliarden Euro eingespart werden.