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11. Februar 2012
 

ZDF.reportage

 
sonntags, 18.00 Uhr
Bei der Einfahrt in den Hafen ist höchste Konzentration gefragt. Quelle: ZDF
Faszinierende Eindrücke gibt es bei der Fahrt mit dem Frachtschiff.

ZDF.reportage vom 22.11.2009

Das Leben auf dem Frachtschiff

Wertvolle Tipps für den Schiffsalltag

Ob jemandem eine Reise mit einem Frachtschiff gefällt, hängt wesentlich von der eigenen Erwartungshaltung zu dieser Seereise ab. Damit Sie wissen, was bei einer Reise auf einem Frachter auf Sie zukommt, beschreiben wir das Leben an Bord eines Frachters.

 
 
 
 

Die Fracht und die Einhaltung des Terminplans bestimmen den Tagesablauf an Bord. Als Passagier ist man willkommen, so lange man den Arbeitsalltag nicht stört. Während auf Kreuzfahrtschiffen alles Erdenkliche zum Wohl der Passagiere getan wird, kümmert sich auf einem Frachter niemand um den Passagier. Er muss sich selbst beschäftigen und selbst dafür Sorge tragen, Kontakt zur Crew aufzubauen. Sonderlich schwer muss das nicht sein, denn auf hoher See ist den Mitgliedern der Mannschaft oft jede Abwechselung willkommen.

 

Die Ein- und Ausfahrt eines Hafens sind die kritischen und gefährlichen Momente einer Seereise. Die Fahrrinnen sind meist schmal und das Schiffsaufkommen hoch, so dass die Möglichkeit eines Unfalls steigt. Schiffe haben einen enormen Bremsweg, weshalb eine zu hohe Geschwindigkeit im Nachhinein kaum noch kompensiert werden kann. Als Passagier sollte man sich in dieser Phase der Reise zurücknehmen.

 

Der Landgang

Das Be- und Entladen der Fracht geht heutzutage in wenigen Stunden vonstatten. Selbst Frachter, die Tausende von Containern geladen haben, bleiben selten länger als einen Tag im Hafen. Ausgedehnte Landgänge gibt es in der modernen Seefahrt nicht mehr. Er ist zwar möglich, doch nicht so einfach zu realisieren. Die Containerhäfen sind riesig und weit weg von den Stadtzentren und touristischen Attraktionen. Zudem wartet ein Frachter definitiv nicht auf verspätete Passagiere. Die Abfahrtzeiten können sich zudem ändern, je nachdem wie reibungslos das Verladen der Fracht verläuft.

Besonders der erste und der zweite Offizier stehen während Anlegezeit im Hafen unter enormen Stress. Sie sind für die Ladung verantwortlich. Das Gesamtgewicht der Fracht muss in perfekter Balance sein. Denn durch falsche Beladung kann ein Schiff in Schieflage geraten, die bei stürmischer See im schlimmsten Fall ein Kentern bewirken kann. Als Passagier darf man klare Worte erwarten, sollte man im Verladeprozess stören. Andererseits, wer sich ruhig und dezent auf dem Schiff bewegt, dem öffnen sich während einer mehrtägigen Schiffsreise im Grunde alle Geheimnisse an Bord.

 

Die Kombüse

Ein zentraler Ort an Bord ist die Kombüse. Auf einem Frachter hängt die Qualität des Essens sehr vom jeweiligen Koch und vom Geschmack des Kapitäns ab. So mancher deutscher Kapitän fordert von seinem philippinischen Koch, der seine Zutaten im fernen Shanghaier Hafen einkauft, traditionelle, deutsche Küche ein. Das schmeckt nicht immer, vor allem dann nicht, wenn man weder von Nostalgie noch von Heimweh gepeinigt ist.

 
So mancher vermisst in der Ferne seine heimische Küche. Quelle: ZDF
ZDF
Deutsches Essen auf hoher See

Doch mit einem kleinen Trick kann man dem Schicksal eines "Sauerbraten à la Fernost" entgehen: Als Passagier hat man das Privileg in der Offiziersmesse zu speisen, doch man darf auch mit den einfachen Matrosen das Essen teilen. Sie stammen meist - wie der Koch - aus exotischen Ländern und erhalten ihre nationale Küche. Wichtig ist - und das gilt für beide Küchen - die Einhaltung der Essenszeiten. Es handelt sich bei Kombüsen nicht um eine Art Restaurant, wo aufgetischt wird, wenn der Gast erscheint, sondern eher um schwimmende Kantinen.

 

Mittelklasse-Standart

Die Kabinen auf großen Frachtern sind meist funktional, ausreichend groß und haben den Standart eines Mittelklassehotels an Land. Je nach Alter des Schiffs gibt es noch Sozialräume für die Mannschaft, die man als Passagier mitbenutzen darf. Ein kleiner Fitnessraum, eine Art Bibliothek und ein Fernsehzimmer sind eigentlich immer an Bord zu finden. Selbst ein Swimmingpool ist auf größeren Schiffen keine Seltenheit.

 

Die Kosten

Die Kosten für Frachterreisen sind dementsprechend hoch. Im Grunde entspricht eine einwöchige Seefahrt dem Preis eines einwöchigen Hotelaufenthalts mit Vollpension. Atlantiküberquerungen sind beispielsweise kaum unter 1000 Euro zu erhalten. Einfache Fahrt wohlgemerkt. Die Kosten für einen Rückflug kommen noch hinzu.

 

Es empfiehlt sich deswegen, Frachterreisen über spezialisierte Agenturen zu buchen. Die angebotenen Pakete aus Flug- und Schiffsreise sind meist günstiger und eine Agentur weiß genau, welche Impfungen für das jeweilige Schiff wie für die angesteuerten Häfen nötig sind. Da es auf Containerschiffen keinen Arzt gibt, wird man ohne vollständigen Impfschutz schlichtweg nicht an Bord gelassen.

 

Wer keine Betreuung oder Bespaßung für seine Urlaubstage braucht, etwas Zeit für sich sucht und der Hektik entfliehen möchte, für den kann eine Frachterreise zur Traumreise werden. Anderen droht ein Albtraum - denn einfach von Bord gehen, das geht nicht.

 
 
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