Alt und Jung unter einem Dach - kann das gutgehen? Studentin Wiebke und Rentnerin Ursula B. beantworten diese Frage mit Ja! Sie wohnen unter einem Dach, ohne sich vorher gekannt zu haben. "Wohnen für Hilfe" heißt die Idee: Senioren bieten Wohnraum, Studenten leisten Hilfe. Nur eins von vielen Projekten. Die ZDF.reportage zeigt mehrere unkonventionelle Wege des Zusammenlebens.
"Pink! Pink im Schlafzimmer. Ich würde Albträume kriegen!" Rentnerin Ursula B. aus Frechen bei Köln kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Studentin Wiebke hat nach ihrem Einzug das Schlafzimmer der kleinen Wohnung, in der früher die betagte Mutter von Ursula B. wohnte, ein wenig aufgepeppt. Rentnerin Ursula und Wiebke haben sich über das Projekt "Wohnen für Hilfe" kennen gelernt. Die Idee: Senioren bieten Wohnraum, Studenten leisten Hilfe. Allein in Köln gibt es 70.000 Studenten, viele suchen günstige Unterkünfte. Und beim Info-Cafe, bei dem Senioren und Studenten sich zum ersten Mal treffen, hat es auch gleich "gefunkt".
Die Rentnerin wohnt in einer Doppelhaushälfte und freut sich, dass nun jemand in die obere Etage zieht. Als Gegenleistung für die 45 Quadratmeter soll Wiebke Hausarbeiten übernehmen und auf Kater Nero aufpassen. Die ZDF.reportage begleitet Wiebke von der Besichtigung der Rentnerwohnung, über die Renovierung und den Einzug bis zum normalen Leben der beiden unterschiedlichen Frauen unter einem Dach.
Der demografische Wandel wird in den nächsten Jahren die Wohnformen radikal verändern. Schon jetzt denken immer mehr Menschen an generationenübergreifendes Wohnen, "gemeinsam statt einsam" heißt der neue Trend. Tendenz steigend.
"Wohlsituierte 50plusler gesucht zwecks WG", so warb Martemaria S. in einer Anzeige um Mitbewohner für ihre Wohngemeinschaft. "Ich hatte das Alleinleben satt", sagt die 61-jährige Münchnerin und Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Vor zwei Jahren startete sie die Initiative, verwandelte eine große Altbauwohnung in eine WG. Die ZDF.reportage stellt Martemarias Wohngemeinschaft vor: Wir treffen einen Manager, der dort bald auszieht und sind dabei, wenn sich neue Interessenten bewerben.
Wohnen für Hilfe
"Wohnen für Hilfe" bezeichnet eine Initiative, die mittlerweile in vielen Universitätsstädten existiert. Die Idee: Senioren bieten Wohnraum - Studenten helfen im Alltag. Dafür zahlen sie keine Miete, sondern nur Nebenkosten. Faustregel ist hier: Pro Quadratmeter Wohnraum eine Stunde Hilfe im Haushalt pro Monat. Informationen gibt es bei den örtlichen Studentenwerken oder auf der Internetseite des Sozialverbandes VdK Deutschland.
Wohngemeinschaft 50 plus
Aktuell gibt es in Deutschland fast 1000 Wohngemeinschaften von älteren Menschen. Gleichzeitig registriert das "Forum für gemeinschaftliches Wohnen im Alter FGWA" jährlich etwa 10.000 Anfragen von Menschen, die sich wünschen in einem solchen Projekt zu leben. Informationen zu solchen Projekten bietet das das Internetforum wohngemeinschaften-50plus.de oder die Seniorenwebsite ahano.de
Hausgemeinschaften und Wohnprojekte
Wohnprojekte, wie die Siedlung am Rundling in Berlin-Johannisthal gibt es in einigen deutschen Städten. Das Besondere: Hier leben Menschen verschiedener Generationen miteinander in aktiver Nachbarschaft. Sie kümmern sich umeinander und helfen sich im Alltag. Informationen gibt es bei den einzelnen Gemeinschaften, wie "Lebenstraum Johannisthal" oder der Hausgemeinschaft "Alt und Jung in Oldenburg".
"Lebenstraum Johannisthal" heißt das Projekt vor den Toren Berlins. 38 Erwachsene und genauso viele Kinder leben seit 2004 in einer Öko-Eigenheimsiedlung. Jede Familie hat ihr eigenes Haus - trotzdem wollen sie in der Gemeinschaft leben. Wenn die Eltern arbeiten, gibt es natürlich Nachbarn, die aufpassen. Ist jemand krank, wird er von den anderen mitversorgt. Hier fühlt sich niemand allein. Die Hausgemeinschaft baut zusammen, kocht, macht Yoga und Leseabende. Und diskutiert schon lange darüber, wie das Gemeinschaftshaus aussehen soll. Die ZDF.reportage zeigt Menschen, die in Wahlverwandtschaften leben wollen und davon profitieren.
Reportage von Annette Uhlenhut
Kamera: Jan-Peter Sölter
Sendetermin: Sonntag, 6. April 2008, 18.30 Uhr