Nach Schätzungen des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen tappen jeden Monat mehr als 20.000 Menschen in Internetfallen. Eigentlich wollen die Opfer nur neue Rezepte ausprobieren, schnell eine Autoroute berechnen oder in ihrem Horoskop stöbern. Doch dann die Folgen: Unerwartete Rechnungen und monatelange Abo-Verträge. Ronny Jahn, Jurist der Verbraucherzentrale Berlin, hat mit ZDFonline über das Vorgehen der Seitenbetreiber gesprochen.
ZDFonline: Wieso schaffen es dubiose Internetseiten immer wieder, Verbraucher in die Kostenfalle zu locken?

Ronny Jahn: Zuerst einmal bewerben die Betreiber ihre Seiten intensiv. Zum Beispiel versuchen sie bei Suchanfragen über Google im Ergebnis möglichst weit oben aufzutauchen. So schaffen sie es, viele Verbraucher auf ihre Seiten zu locken. Hat sich der Nutzer dann erst einmal auf die Homepage geklickt, ist es dort schwer, die Preise der einzelnen Angebote zu erkennen. Meistens sind sie in den Geschäftsbedingungen oder im Kleingedruckten versteckt.
ZDFonline: Worauf sollten Verbraucher achten, damit sie nicht auf diese Tricks hereinfallen?
Jahn: Der einfachste Tipp: Immer vorsichtig sein! Wenn ich meine persönlichen Daten angeben muss, zum Beispiel bei Gewinnspielen, dann sollte ich mir die Seite zuvor genau anschauen. Das ist der einzige Schutz.
ZDFonline: Tappen Verbraucher dennoch in die Falle und bekommen Rechnungen dubioser Seitenbetreiber, wie sollen sie vorgehen? Schließlich kann man auf den Homepages doch lesen, dass die Leistungen etwas kosten.
Jahn: Es reicht aber nicht aus, wenn der Preis irgendwo steht. Ein Preis ist das zentrale Element eines Vertrages und muss deshalb immer gut erkennbar sein. Erscheint er auf der Internetseite nur kleingedruckt oder versteckt, ist dies aber nicht der Fall und der Vertrag ist hinfällig. Verbraucher müssen die Rechnungen also nicht bezahlen.
ZDFonline: Häufig folgen dann aber Mahnschreiben, Briefe von Inkasso-Unternehmen oder sogar die Drohung mit einem Schufa-Eintrag.
Jahn: Davon darf man sich nicht verunsichern lassen. Verbraucher sollten auch nicht anfangen, mit den Anbietern zu diskutieren. Es führt zu nichts. Stattdessen die Forderungen zurückweisen und erklären, dass man keinen kostenpflichtigen Vertrag abschließen wollte. Bei den Verbraucherzentralen gibt es Musterbriefe, die über die Homepage heruntergeladen werden können. Und danach sollten Betroffene alle weiteren Forderungen ignorieren.
ZDFonline: Kann man denn gegen Internet-Abzocker überhaupt vorgehen?
Jahn: Das ist ein Hase-und-Igel-Spiel. Natürlich wurden schon Seitenbetreiber verurteilt, aber das nutzt wenig. Die Seiten verschwinden - aber es tauchen dann wieder neue auf. In den letzten zwei Jahren haben die Probleme explosionsartig zugenommen, die Internet-Abzocke ist eines der Hauptthemen in unserer Beratung. Wir raten Verbrauchern, vorsichtig zu sein und sich nicht einschüchtern zulassen.
Eine Reportage von Oliver Koytek und Jochen Schulze
Kamera: Sascha Nagel, Christel Pullmann, Claudia Marcell
Schnitt: Claus -Peter Wolf
Sendetermin: Donnerstag, 28.08.2008, 21 Uhr, bei ZDF.reporter