Das Grundgesetz garantiert jedem Menschen in Deutschland das Recht auf Meinungsfreiheit. Über das Internet kann die eigene Meinung problemlos und für alle sichtbar veröffentlicht werden. Leider wird diese Freiheit dort auch missbraucht, indem andere Menschen beleidigt oder sogar bedroht werden.
Cyber-Mobbing nennt sich dieses Phänomen, unter dem vor allem Schüler leiden. Das Zentrum für empirische pädagogische Forschung der Universität Koblenz-Landau hat im vergangenen Jahr 2.000 Schüler der ersten bis 13. Klassenstufe zu diesem Thema befragt. Demnach berichten 16,5 Prozent der Befragten, dass sie schon einmal Opfer von Internet-Mobbing gewesen wären. Auf die Gesamtheit der deutschen Schüler hochgerechnet, kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass rund 1,9 Millionen Schüler bereits von Cyber-Mobbing betroffen sind.
Auch wenn Mobbing an sich keine Neuerscheinung ist, bekommt es durch die Verbreitung über das Internet ganz neue Ausmaße. Welche Gefahren sich hinter dieser modernen Kommunikationstechnik verbergen, darüber weiß genauestens Bescheid, der stellvertretende Landesbeauftragte für den Datenschutz in Rheinland-Pfalz, Dr. Klaus Globig: "Zum Einen muss man sagen, dass das Internet ganz viele Möglichkeiten bietet, Informationen zu verbreiten und eben auch negative Informationen, beleidigende, verleumdende Informationen über Personen."
Ein weiterer Vorteil für die Täter im Netz, ist das Agieren aus der Anonymität. "Besonders perfide sind die Attacken, die auf dem Weg erfolgen, dass eine falsche Identität im Netz angegeben wird. Dagegen kann man sich zum Teil auch nur recht schwer wehren", so Globig.
Vor allem soziale Netzwerke, wie facebook, oder SchülerVZ bieten für Mobbing-Attacken eine geeignete Plattform mit vielen potenziellen Opfern. Der Großteil der Jugendlichen nutzt die Angebote solcher Online-Communities zur Kommunikation mit Freunden. Doch es kommt auch immer häufiger vor, dass einzelne Mitglieder auf ihren Profilseiten massiv beleidigt und beschimpft werden.
Experte Globig rät den Opfern, sich frühzeitig zu wehren und gegen die Täter vorzugehen. Die Chancen dafür stünden gut, sagt er. Viele Mobber würden die angebliche Anonymität im Netz überschätzen, weiß Globig, "denn wenn sie in einem sozialen Netzwerk aktiv werden, dann lässt sich im Allgemeinen ihre Identität durchaus rekonstruieren."
Doch dafür ist es wichtig, dass sich die Opfer nicht aus Scham oder Angst vor ihren Peinigern verstecken. Sie sollten den Mut haben, sich zu offenbaren und auf jeden Fall professionelle Hilfe durch Datenschützer in Anspruch nehmen, rät Dr. Klaus Globig. Generell kann man sich in solchen Fällen direkt an den Anbieter der jeweiligen Webseite wenden, auf denen das Mobbing stattfindet. Der könne in der Regel Auskunft über den Täter geben und die beleidigenden Inhalte löschen.
Wenn das Mobbing massivere Ausmaße annimmt, dann gibt es, laut Globig, die Möglichkeit auch strafrechtliche Schritte einzuleiten: "Wenn ich beleidigt werde, verleumdet werde, dann habe ich die Möglichkeit strafrechtliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das heißt, ich kann Strafanzeige erstatten." Falls der Täter bekannt ist, besteht die Möglichkeit, sich direkt an den Beleidiger zu wenden und Unterlassung zu verlangen. Darüber hinaus können Schmerzensgeldansprüche geltend gemacht werden.
Ist der Täter unbekannt, "dann muss ich über den Provider gehen. Wenn das ein deutscher Provider ist, gibt es da auch wenig Schwierigkeiten." Wird dem Anbieter der Seiten die Mobbing-Attacke gemeldet, wird dieser die Seiten aus dem Netz nehmen.
Schwieriger wird es, wenn Betreiber der Webseiten ihren Firmensitz im Ausland haben. Es gibt aktuell noch keine länderübergreifenden Rechtsgrundlagen, auf die die Justiz zurückgreifen kann. Globig betrachtet dies als zentrales Problem bei der Verfolgung der Täter: "Die Strafverfolgung muss häufig an den nationalen Grenzen enden."
Das gibt den Tätern die Möglichkeit länger unerkannt aktiv zu bleiben, ohne dass ihre Attacken nachzuverfolgen sind. Globig: "Wir haben das Problem, dass der Urheber solcher rechtswidriger Handlungen im Ausland nur sehr schwer ausfindig zu machen ist, weil da häufig keine Mitwirkung erfolgt durch die ausländischen Provider. Diese Probleme haben wir im Inland nicht."
Um erst gar nicht zu einem Opfer von Cyber-Mobbing zu werden, hat der Datenschützer noch ein paar einfache Tipps: Wichtig ist es immer auf dem Laufenden zu bleiben, welche Informationen über die eigene Person im Internet gerade veröffentlicht wurden. Dabei helfen Suchmaschinen wie Google. Im Bereich der sozialen Netzwerke gibt es die Möglichkeit den Beleidiger auf eine sogenannte "Ignore-Liste" zu setzen, so dass diese keinen Zugriff mehr auf die Profilseite bekommen und keine neuen Einträge mehr einstellen können.