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09. Februar 2012
 

ZDF.reportage

 
sonntags, 18.00 Uhr
Kyra in ihrem Camp in Südafrika. Quelle: ZDF

ZDF.reportage

Helfen in Südafrika

Kyra Fabianke im Interview

Jedes Jahr nutzen etwa 10.000 Jugendliche das Programm "weltwärts" und gehen für ein Freiwilliges Soziales Jahr ins Ausland. In der ZDF.reportage begleiteten wir Kyra Fabianke nach Südafrika. Für ZDFonline sprach Janina Fortmann mit Kyra Fabianke über ihre Erfahrungen als Freiwillige im Ausland.

 
 
 
 

ZDFonline: Warum hast Du Dich nach dem Abi für ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland entschieden?

 

Kyra Fabianke: Für mich war klar, dass ich nach dem Abi nicht gleich studieren wollte. Ich habe mich informiert, welche Möglichkeiten es gibt. Also zum Beispiel Au Pair, Work and Travel, Freiwilliges Soziales Jahr. Außerdem war mir klar, dass ich ins Ausland gehen möchte. Ich wollte etwas völlig Neues erleben, ans andere Ende der Welt gehen, eine völlig andere Kultur kennenlernen und dadurch meinen Horizont erweitern. Ich wollte meine globale Verantwortung wahrnehmen, mit den Händen arbeiten und durch meine Arbeit helfen, etwas zu bewirken. Deswegen habe ich mich für ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland entschieden.

 

ZDFonline: Warum Südafrika?

 

Fabianke: In welches Land ich gehe war mir überhaupt nicht wichtig. Bei meiner Bewerbung habe ich angegeben, dass ich nicht unbedingt nach Lateinamerika gehen möchte, weil ich kein Spanisch spreche. Da es schon eine große Herausforderung ist, in ein komplett fremdes Land zu gehen und sich dort zurechtzufinden, wollte ich gerne in ein Land, dessen Sprache ich spreche.

Ich bin über den Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung "weltwärts" hier. Man bewirbt sich direkt bei deren Partnerorganisationen. Man kann einige Angabe machen und die Organisation sucht dann nach Projekten, die zu einem passen. Als ich von der Organisation Experiment e.V. das Angebot für Südafrika bekommen habe, hatte ich das Gefühl, dass das Projekt zu mir passt. Und dann habe ich das Angebot angenommen.

 

ZDFonline: In welchem Programm arbeitest Du? Und was sind Deine Aufgaben?

 

Fabianke: Ich arbeite in zwei verschiedenen Projekten. Das erste ist das Zeekoevlei Environmental Education Programme. Zeekoevlei ist ein Naturreservat, in dem auch Camps für Kinder und Jugendliche stattfinden. Ich helfe bei der Organisation und Durchführung der Camps. Es geht darum, dass die Kinder und Jugendlichen Spaß haben, spielerisch an das Thema Umwelt herangeführt werden und etwas über die Möglichkeiten lernen, wie man die Umwelt mit einfachen Mitteln schützen kann. Denn die Menschen in Südafrika achten nicht viel auf die Umwelt und wissen auch nur sehr wenig darüber. Es gibt hier viele andere Probleme, man denkt einfach nicht über dieses Thema nach.

 

ZDFonline: Was machst du, wenn keine Camps stattfinden?

 

Fabianke: Wenn gerade keine Camps stattfinden, fallen vor allem Instandhaltungsarbeiten an. Das war anfangs auch meine Hauptbeschäftigung. Mit dieser Arbeit war ich aber gar nicht glücklich, denn die Art zu arbeiten in Südafrika ist einfach eine ganz andere als in Deutschland. Ich bin ein Mensch, der sehen muss, was bei meiner Arbeit herauskommt und was ich getan habe. Hier geht alles nur sehr langsam voran und alles läuft unkontinuierlich.

 

Ich habe mit meiner Koordinatorin darüber gesprochen und wir haben dann gemeinsam überlegt, was man in dem Projekt tun könnte. Jetzt habe ich mein eigenes kleines Projekt und betreue ein Mediacenter. Anfangs war es nur ein kleiner Raum, den ich jetzt nach meinen Wünschen umgestalte. Diese Aufgabe macht mir großen Spaß, denn ich kann denken und kreativ sein und etwas für die Campbesucher tun.

 

ZDFonline: Und was ist dein zweiter Job?

 

Die andere Hälfte der Zeit arbeite ich im Rondevelei Nature Resort. Hier gibt es 250 verschiedene Vogelarten und sogar sechs Nilpferde. Rondevelei ist das einzige Reservat des Western Tape, indem es Nilpferde gibt. Hierher kommen viele Besucher und auch Schulgruppen. Ich arbeite mit jemandem zusammen, der sich vor allem um die Reptilien kümmert: Er geht in Schulen und führt dort eine Art Reptilienshow vor.

EXTERNE LINKS

Die Shows sollen in Zukunft auch für Besuchergruppen angeboten werden. Dafür fällt einiges an Arbeit an, die Show muss geplant, der Bereich dafür hergerichtet werden. Es ist auch geplant, unseren Raubvogel mit in die Show aufzunehmen. Aber die größeren Arbeiten starten erst im nächsten Jahr, denn zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar ist in Südafrika Urlaubszeit, da passiert hier nicht viel.

 

ZDFonline: Mal etwas Privates: Fühlst Du Dich denn in Deiner Familie wohl?

 

Fabianke: In meiner Gastfamilie fühle ich mich superwohl und wurde von Anfang an sehr lieb aufgenommen und umsorgt. Ich werde hier nicht als Gast, sondern als neue Tochter angesehen. Ich fühle mich auch überhaupt nicht wie ein Gast, sondern wie ein vollwertiges Familienmitglied.

 

ZDFonline: Und im Projekt - wie wurdest Du da aufgenommen?

 

Fabianke: In meinem Projekt war es schon etwas schwieriger. Ich hatte die ersten Tage gar nichts zu tun. Es ist hier nicht so, dass einem gesagt wird, was man tun soll. Eigentlich bin ich ein Mensch, der sehr gut selbstständig arbeiten kann. Aber ich kannte mich hier ja überhaupt nicht aus und wusste nicht, was getan werden muss und wo meine Hilfe gebraucht wird. Es braucht etwas, bis man sich zurechtfindet. Man muss sich anbieten und fragen, was zu tun ist.

 

Für mich war es eine schwierige Phase, weil ich mit der Arbeit nicht zufrieden war. Ich kam mit einer sehr idealistischen Einstellung hierher, die ich mittlerweile überdenken musste. Mir war zwar klar, dass ich hier nicht die Welt verändern kann, aber ich dachte, dass ich mehr bewegen kann. Das war nicht leicht für mich. Aber dafür habe ich gemerkt, dass kleine Dinge viel bewegen können. Einmal habe ich eine Campteilnehmerin wiedergetroffen und Sie konnte sich noch an meinen Namen erinnern und hat sich gefreut, mich zu sehen. Das hat mir gezeigt, dass es wichtig ist, dass ich hier bin und ihr durch das Camp eine Freude machen konnte.

 

ZDFonline: Wenn Du jetzt noch einmal die Wahl hättest, würdest Du Dich wieder für ein Freiwilliges Soziales Jahr entscheiden?

 

Fabianke: Ja, auf jeden Fall. Denn es ist eine großartige Erfahrung. Natürlich gab es auch schlechte Erfahrungen und Momente und davon wird es auch sicherlich noch mehr geben. Aber gerade in den schlechten Momenten habe ich sehr viel über mich gelernt. Ich bin mir sicher, dass ich in den kommenden Monaten noch mehr sehen und noch mehr lernen werde. Und es ist ein gutes Gefühl zu versuchen, sich in einer fremden Kultur einzufinden, anderen zu helfen und damit etwas zu bewirken.

 

ZDFonline: Was würdest Du Interessierten raten? Worauf sollte man achten und welche Fragen sollte man sich vor der Entscheidung für einen Freiwilligendienst stellen?

 

Fabianke: Das wichtigste ist, ohne Erwartungen und nicht zu idealistisch an die Sache ran zu gehen. Das ist ganz, ganz schwer und war bei mir auch nicht so. Man ist sehr lange von zu Hause weg, auf sich alleingestellt und man weiß überhaupt nicht, was auf einen zukommt.

 

Darüber muss man sich im Klaren sein und sich die Frage stellen, ob man dazu bereit ist. Man muss sehr anpassungsfähig und offen sein und sollte nicht schnell verzweifeln und aufgeben. Es wird keine Zeit sein, in der alles toll ist und man nur glücklich ist. Auch darüber muss man sich bewusst sein und damit umgehen können. Gerade wenn Freunde und Familie tausende Kilometer entfernt sind.

 
 
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