Gundula unterrichtet Deutsch in Berlin, Don war ihr Schüler. Weil sich beide auf E-Mails - statt auf Brief und Postkarte - verließen, hielt der Kontakt nicht. Philipp hat Don gefunden: Ein Lektor in Rente, der der Finanzkrise trotzt.
Donald J. Davidson war sein ganzes Leben lang als Lektor bei verschiedenen amerikanischen Verlagen tätig. Seine Liebe gilt den Büchern, dem Geld galt sie nie. Goethe hat er übersetzt, nur für sich - deutsch kann er gut lesen aber praktisch nicht sprechen. An New York schätzt Donald J. Davidson die Nähe der Bibliotheken und die des McDonalds im Nachbarhaus. Dort gibt es preiswertes Frühstück. Ansonsten strengt ihn Manhattan langsam auch an. Hektisch.
Eine Rente hat er kaum, zu oft hat er den Job gewechselt. Er kann noch immer als Lektor etwas hinzuverdienen, indem er Kriminalromane auf deren Stringenz überprüft. Ersparnisse halten ihn ganz gut über Wasser, meint er, nur die Finanzkrise hat auch ihn getroffen. "Ein Drittel ist weg", meint er. Aber es hätte schlimmer kommen können: "Zum Glück habe ich vor Monaten meinem Bauch vertraut und trotz Verlusten verkauft!", sagt Don. Harte Zeiten für New Yorker Rentner. Gerade gestern wollte er noch einen Teil seiner unendlich vielen Bücher verkaufen. Aber ein Dollar das Stück! Da behält er sie lieber.
Schreiben Sie an E-Mail: reporter@zdf.de oder skype: new_york_update und Sie erhalten Ihr persönliches Update aus New York!