In Zeiten der Finanzkrise sind auch die Chefetagen nicht vor Entlassungen gefeit - gerade im Bankenwesen. Für die Betroffenen gibt es das so genannte Outplacement (aus dem Englischen übersetzt bedeutet es "Außenvermittlung"): Angeschlagene Führungskräfte bekommen einen Weg aus der Krise aufgezeigt. Wie genau Outplacement funktioniert und warum dabei auch ein Sturzflug aus 3000 Metern hilfreich sein kann, erklärt Oscar Winzen im Interview. Er ist Geschäftsführer einer nach ihm benannten GmbH in Wehrheim.
ZDFonline: Die Wenigsten können wahrscheinlich mit dem Begriff Outplacement etwas anfangen. Klären Sie uns bitte auf!
Oscar Winzen: Im Outplacement arbeitet man mit Mitarbeitern zusammen, die von ihren Arbeitgebern entlassen worden sind - in unserem Fall oft ehemalige Banker. Das sind meistens qualifizierte Angestellte, oft auch Personen, die in höheren Positionen waren. Diese brauchen jemanden, der sie in der Situation begleitet.
ZDFonline: Und wie genau sieht diese Begleitung aus?

Winzen: Die Person stellt sich neu auf. Im Bankwesen bleiben nur ein Drittel der Beschäftigten nach einer Kündigung in dem Geschäft. Die Mehrheit fängt etwas anderes an. Der erste Schritt ist das Finden der eigenen Stärken. Man muss sich die Frage stellen: Wo will ich hin, was könnte ich arbeiten? Im nächsten Schritt bereiten wir die Kunden zum Beispiel auf Bewerbungsgespräche vor. Und dann haben wir noch die so genannten Jobsearcher, die den Arbeitsmarkt nach Angeboten für die Bewerber durchforsten. Der erste Schritt ist der schwierigste: sich darüber klar zu werden, wohin man eigentlich will. Ein anschauliches Beispiel: Heiraten sollte man ja auch, weil man jemanden liebt, und nicht, weil man von zu Hause weg will. So ist es auch bei der Suche nach einem Job. Man sollte einen Job machen, den man machen will und der zu einem passt.
ZDFonline: Das hört sich doch eigentlich nach der Dienstleistung an, die eine Arbeitsagentur leisten sollte...
Winzen: Die Arbeitsämter sind froh, dass es uns gibt. Sie sehen uns nicht als Konkurrenz. Outplacement wird ja auch vom Arbeitsamt unterstützt.
ZDFonline: Was kostet denn die Teilnahme an einem solchen Programm?
Winzen: Für eine Privatperson würde ein Programm, das über sechs Monate läuft, um die 14.500 Euro kosten. Oft bezahlen aber die Firmen, bei denen unsere Kunden entlassen wurden, die Programme. Gerade die Banken kümmern sich da sehr um ihre Mitarbeiter - auch um entlassene.
ZDFonline: In der ZDF.reportage macht eine ihrer Kundinnen, eine Ex-Managerin, einen Sturzflug mit einer kleinen Propeller-Maschine aus 3000 Metern Höhe. Wie erklären Sie einem gerade arbeitslos gewordenen Industriearbeiter, wie ihm das bei der Jobsuche helfen soll?
Winzen: Das Beispiel mit dem Sturzflug wird natürlich immer gerne angeführt. Aber das lässt sich nur aus der Situation heraus verstehen. Damit wollen wir zeigen, dass es reale Ängste gibt. Die Angst vor einem Vortrag, die Angst vor der Zukunft, sind kreierte Ängste. Es macht keinen Sinn, Angst vor einem Vortrag zu haben. Was soll einem schon passieren?
ZDFonline: Solche Sachen lernt man also bei Ihnen. Wer arbeitet bei Ihnen, hauptsächlich Psychologen?
Winzen: Nein, nicht einer. Wir arbeiten mit etwa 20 Festangestellten zusammen, die aus allen Bereichen kommen: Architekten, Biologen, ehemalige Personaler. Eine Ausbildung zum Outplacer gibt es nicht. Entweder man kann den Job oder nicht. Angela Merkel zum Beispiel könnte nicht "Wetten, dass...?" moderieren. Und Gottschalk wäre wohl kein guter Bundeskanzler. Einen Architekten, der jetzt bei uns arbeitet, lernten wir im Übrigen als Kunden kennen.
ZDFonline: Sie scheinen jedem zu einem neuen Job zu verhelfen. Und sei es in Ihrer eigenen Firma...
Winzen: Eigentlich ist es so einfach. Fast jeder macht Fehler bei der Jobsuche. Sei es beim Bewerbungsgespräch oder nur beim Bewerbungsfoto. Wer Outplacement macht, hat da einen Vorsprung. Mit unserer Hilfe findet jeder einen Job. Aber es ist nicht nur die Jobsuche allein. Zum Teil schicken auch Eltern ihre Kinder zu uns, die gerade das Abitur gemacht haben, und nicht wissen, was sie studieren sollen. Sie können im Übrigen bei Bedarf auch gerne mal bei uns vorbeischauen.
ZDFonline: Momentan bin ich zufrieden mit meinem Job. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Winzen.
Eine Reportage von Broka Hermann
Kamera: Marc Nordbruch
Sendedatum: Sonntag, 20. September 2009, 18.30 Uhr, ZDF.reportage