Wenn Kinder spielen und toben, kann es laut werden. Wenn ein ganzer Kindergarten tollt, wird es immer laut. Kinder können ähnliche Schallpegel wie vorbeifahrende Autos erzeugen. Immer wieder klagen Anwohner gegen diese Art von Lärm - häufig mit Erfolg. Jetzt aber will die Bundesregierung Klagen gegen Kinderlärm verhindern.
Es steht im Koalitionsvertrag der neuen schwarz-gelben Bundesregierung: In Zukunft soll es nicht mehr möglich sein, gegen Kinderlärm zu klagen. Kinderlärm soll per Gesetz kein Lärm mehr sein, sondern ein "natürliches Geräusch". Bisher wird er wie Auto- oder Fluglärm behandelt - mit allen damit einhergehenden juristischen Implikationen.
Nachbarn von Kindertagesstätten konnten bislang beispielsweise Lärmschutzvorrichtungen einklagen, wodurch Baukosten erheblich anstiegen. Manche Betreuungseinrichtungen konnten nicht mehr realisiert werden konnten.
Das neue Gesetz soll auch helfen, Kitas leichter in reinen Wohngebieten zu errichten. Immerhin ist der Ausbau der Kinderbetreuung in Deutschland erklärtes Ziel der neuen Regierung. An klagenden Anwohnern soll dies in Zukunft nicht mehr scheitern.
Aber auch auf Seiten der Kindergärten gibt es neue Entwicklungen. Einige Einrichtungen setzen mittlerweile sogenannte Lärmampeln ein. Diese einer Ampel nachempfundenen Geräte messen den Lärmpegel in ihrer Umgebung. Solange die grüne Lampe leuchtet, ist auch der Lärmpegel im grünen Bereich.
Wechselt die Ampel auf gelb, sind alle aufgefordert, etwas leiser zu sein. Schaltet die Ampel gar auf rot um und der traurige Smiley erscheint, ist der Lärmpegel für alle zu hoch. Die Lärmampel gibt zusätzlich einen Warnton von sich, um auf die Situation hinzuweisen.
Pädagogen berichten, dass Lärmampeln dazu führen, dass Kinder sich ihrer Lautstärke bewusster werden. Die Anzeige motiviert nach ersten Berichten tatsächlich zum leiser sein. Dies begrüßen nicht nur die Anwohner von Kindergärten und Kindertagesstätten, auch die Angestellten leiden unter dem hohen Geräuschpegel der Kinder.
Denn dass Kinder tatsächlich so laut sein können wie ein vorbeifahrendes Auto, bestreitet niemand. In Zukunft soll sich wenigstens gerichtlich niemand mehr darüber beschweren können.