Wenn die Urlaubstage beginnen, herrscht Hochkonjunktur für Langfinger. Alle paar Minuten brechen Diebe in Deutschland eine Wohnung auf. Mit Vorsicht und einigen Hilfsmitteln können Sie den unleingeladenen Besuchern aber die Lust auf schnelle Beute nehmen.
Einbrüche geschehen keineswegs nur im Dunklen: 80 Prozent finden tagsüber statt. Denn nachts fallen außergewöhnliche Geräusche eher auf. Eine beliebte Zeit ist vormittags, wenn keiner zu Hause ist. Einbrecher suchen immer den einfachsten Weg, um in eine Wohnung einzudringen. Gefährdet sind vor allem Fenster und Türen im Parterre oder der ersten Etage, die mit wenig Aufwand zu erreichen sind.
In Mietshäusern klingeln Einbrecher häufig auf gut Glück. Wird aufgemacht, schlüpfen Sie ins Haus und brechen eine der Wohnungstüren auf. Man sollte also wissen, wem man die Tür öffnet. "Wir raten daher, die Tür nur zu öffnen, wenn über die Gegensprechanlage ein triftiger Grund genannt wird oder Bekannte vor der Tür stehen", informiert Reinhard Busch von der Kriminalpolizei Düsseldorf.

Standardfenster lassen sich innerhalb weniger Minuten mühelos öffnen. Durch zusätzliche mechanische Sicherungen kann man das Eindringen erschweren. Busch empfiehlt eine Teleskopstange innen quer vor die Fenster zu montieren. Das sieht zwar nicht so gut aus, ist aber einfach und effektiv. Außerdem kann man diese Stange (ab 120 Euro) beim Umzug mitnehmen.
Eine unsichtbare, aber kostspieligere Variante sind einbruchhemmende Beschläge, die im Fenster integriert sind: Die üblichen Beschläge, sogenannte "Rollzapfen", lassen sich einfach aus der Führung im Festerrahmen herausrollen. Besser sind "Pilzzapfen": Sie rasten in der Vorrichtung am Fensterrahmen ein, sodass das Fenster nicht geöffnet werden kann. Für eine Terrassentür beispielweise kostet das Umrüsten circa 280 Euro.
Abschließbare Fenstergriffe seien eher eine Kindersicherung und kein richtiger Schutz gegen Einbrecher, so der Experte. Gut gesicherte Fenster lassen sich nur durch Zerschlagen von Glas überwinden. Und das macht so viel Lärm, dass potenzielle Täter oft lieber ganz die Finger davon lassen.

Eine Möglichkeit die Wohnungstür besser zu sichern, ist ein Kasten-Zusatzschloss mit Sperrbügel - Kosten: etwa 120 Euro inklusive Montage. Der Sperrbügel gewährleistet eine gute Zugangskontrolle, Nachteil allerdings ist, dass das Zusatzschloss die Tür nur einseitig verstärkt. "Täter aber versuchen auch schon mal, die Tür auf der Scharnierseite zu öffnen", warnt Busch.
Mehr Schutz bietet ein Panzerriegelschloss: Der Metallbügel geht einmal quer über die Tür und ist fest im Türrahmen verankert. Zudem kann man von außen sehen, dass die Tür mit einem Panzerriegel gesichert ist - das wirke durchaus abschreckend auf potenzielle Einbrecher, bestätigt Busch. Da bei der Montage das Türblatt durchbohrt wird, muss man den Vermieter um Erlaubnis fragen. Ein Panzerriegelschloss kostet um die 340 Euro inklusive Montage. Daneben gibt es auch Einbruch hemmende Türen, bei denen Sicherungsmechanismen direkt in die Tür integriert sind. Bei allen Sicherungssystemen sollte man auf ein Gütesiegel und fachgerechten Einbau achten.
Alarmanlagen sind nur in Verbindung mit mechanischen Sicherungssystemen sinnvoll. Denn häufig macht sich die Elektronik erst bemerkbar, wenn es zu spät ist. Jeder falsche Alarm mindert zudem die Glaubwürdigkeit: Die Sirenen gehen los, stellen sich nach einer Weile wieder automatisch ab, und keiner kümmert sich darum. Wenn die Polizei wegen falschen Alarms ausrückt, kostet das Geld.
Kriminalpolizeiliche Beratungsstellen informieren kostenlos über Einbruchsicherung und führen mechanische Einbruchsicherungen vor. Die Adressen erhalten Sie bei jeder Polizeidienststelle.

Wer für längere Zeit verreist ist, sollte dafür sorgen, dass das Haus bewohnt aussieht, zum Beispiel durch elektrische Rollläden oder eine Licht-Zeitschaltuhr. Auch den Briefkasten sollte man regelmäßig leeren lassen. Ein guter Schutz vor Einbrechern sind aufmerksame Nachbarn. Daher sollte man sie informieren, bevor man wegfährt. Für Fremde sollten Sie dagegen keine Hinweise hinterlassen - etwa eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter, dass Sie in Urlaub sind.
Die meisten Langfinger brechen in leere Wohnungen ein. Sollten Sie dennoch einen Einbrecher antreffen, warnt die Polizei dringend davor, eine Konfrontation zu suchen. Wird den Dieben die Möglichkeit zur Flucht versperrt, könnten sie gewalttätig werden. Sie können jedoch darauf aufmerksam machen, dass jemand im Haus ist (zum Beispiel Licht einschalten) oder heimlich die Polizei anrufen.
Nach einem Einbruch sollten Sie sofort die Polizei informieren und auf keinen Fall etwas anfassen, bis die Beamten eingetroffen sind. Die Polizei sichert dann die Spuren, nimmt die Anzeige auf und erstellt eine Liste der gestohlenen Gegenstände. Diese können Sie dann bei der Hausratversicherung einreichen.

Die Hausratversicherung zahlt bei Einbruch nur, wenn den Geschädigten keine Schuld trifft. Wer also einkaufen geht und die Balkontür offen lässt, hat Pech gehabt. Manche Versicherungen verlangen auch zusätzliche mechanische Schutzvorkehrungen.
Die Aufklärungsquote ist sehr gering. Nur rund acht Prozent der Diebesbeute gehen zurück zu ihrem Besitzer. Vieles findet sich in Pfandleihhäusern oder Second-Hand-Läden wieder. Hilfreich ist dennoch, wenn Sie die gestohlenen Gegenstände gut beschreiben können und Fotos oder Bedienungsanleitungen (bei Elektrogeräten) zur Hand haben.