ZDF.reportage | Sendung vom 21.10.2012 [Archiv]

Der Arbeit hinterher

Pendler zwischen Job und Familie

Der Arbeit hinterher

(21.10.2012 Quelle: ZDF)

Frankfurt am Main ist Deutschlands Pendlerhauptstadt. 350.000 Menschen strömen jeden Werktag in die Stadt. Nicht einmal jeder zweite, der hier arbeitet, wohnt auch hier. Pendler füllen die Züge, verstopfen morgens und abends die Autobahnen.

"Am Anfang hat mich das Pendeln genervt - so viel Zeit weg von zuhause, aber ich nehme das in Kauf - für acht Stunden Arbeit fünf Stunden Fahrt. Andere Leute haben gar keinen Job." Lars N., 43, ist Bundespolizist am Frankfurter Flughafen: Frühschicht, Spätschicht, Nachtschicht und Pendeln - eine extreme Doppelbelastung für den dreifachen Familienvater: "Es gibt kaum Zeit für das Privatleben als Pendler. Man wacht auf und muss schon wieder weg. Man kommt nach Hause und geht schlafen."

Morgens springt Gudrun G. als erste vom Frühstückstisch auf - ihr Zug wartet nicht. Ihr Mann kümmert sich dann um die Kinder "damit sie auch gekämmt und mit geputzten Zähnen in die Schule gehen". Nachmittags übernimmt die Kinderfrau, bis Gudrun G. am Abend wieder daheim ist. "Wir haben eigentlich alles gut organisiert. Nur wenn etwas schief geht, dann gibt's Stress." Gudrun G. pendelt zwischen Bensheim und Frankfurt. Die 46-Jährige arbeitet im Vorstandsstab einer großen Bank. "Ich möchte einen spannenden Job haben, den gibt es hier nicht in der Gegend."

Ihr Kollege Stefan K. fährt drei Mal pro Woche mit dem Fahrrad zur Bank - über 60 Kilometer pro Strecke. "Ich will Sport machen, liebe meinen Job und will noch Zeit für Frau und Kinder haben. Da ist das der einzige Weg." Der 43-Jährige ist mit dem Fahrrad oft schneller als die Autofahrer - an den Staus zieht er vorbei. In seinem Wohnort gäbe es zwar Arbeitsmöglichkeiten für den Banker, doch "der Job in Frankfurt ist anspruchsvoller, macht mehr Spaß, und ich verdiene mehr, als bei Banken in der Nähe".

Mobilität wird von Arbeitnehmern heutzutage erwartet. Entweder umziehen oder pendeln - wer Karriere machen will, muss das Nomadenleben in Kauf nehmen. Aber nicht nur wer eine Führungsposition hat muss pendeln.

Ralf S., 42, ist Techniker bei einem großen Telekommunikationskonzern. Täglich fünf Stunden Fahrzeit. Obwohl er seine Familie wenig sieht, kommt für ihn ein Umzug nicht in Frage. "Unsere Kinder sollen nicht in der Großstadt aufwachsen." Seine Lebensgefährtin belastet seine Pendelei sehr. "Wenn er Spätschicht hat, sehen wir uns oft gar nicht. Wenn er nach Hause kommt, dann schlafe ich schon."

Über 30 Millionen Deutsche pendeln zu ihrem Arbeitsplatz. Die ZDF.reportage "Der Arbeit hinterher" begleitet Menschen in ihrem Pendleralltag, der meist purer Stress ist. Nicht nur das Privatleben leidet darunter - auch gesundheitliche Probleme durch den Dauerstress müssen die Pendler verkraften. Die mobile Gesellschaft fordert ihren Preis.

Film von Iris Pollatschek

21.10.2012

Sendungsinformationen

Sonntag 21.10.2012, 18:00 - 18:30 Uhr 

VPS 21.10.2012, 18:00 Uhr


Länge: 30 min.

Reportage, Deutschland, 2012

Weitere Informationen

Kamera: Frank Reimann

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